Die Paralympischen Spiele sind ein eigenständiges Turnier mit eigenem Dachverband, eigenem Programm und einem System, das kein anderer Wettkampf kennt: der Klassifizierung. Sie ordnet Aktive nach der Auswirkung einer Beeinträchtigung auf die jeweilige Sportart und entscheidet damit, wer gegen wen antritt. Diese Seite erklärt Aufbau, Klassifizierung, Programm und Rhythmus.
Entstehung und Rhythmus
Als erste Paralympische Spiele gelten die Wettkämpfe von 1960 in Rom. Sie gingen aus Sportveranstaltungen für Kriegsverletzte hervor, die in den Jahren zuvor als Rehabilitationsmaßnahme begonnen hatten und sich zu einem internationalen Wettkampf entwickelten. Winterspiele kamen 1976 hinzu.
Seit 1988 finden die Sommerspiele im selben Ort und unmittelbar nach den Olympischen Spielen statt, seit 1992 gilt das ebenso für die Winterspiele. Festgeschrieben wurde diese Kopplung später in einer Vereinbarung zwischen dem Internationalen Paralympischen Komitee und dem IOC: Wer sich um die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewirbt, bewirbt sich damit automatisch auch um die Paralympischen. Beide Turniere nutzen dieselben Wettkampfstätten und dasselbe Dorf.
Der Dachverband, das Internationale Paralympische Komitee, wurde 1989 gegründet. Er übernimmt die Rolle, die im olympischen Bereich das IOC innehat: Programmentscheidungen, Regelrahmen und die Zusammenarbeit mit den Weltverbänden der einzelnen Sportarten.
Die Klassifizierung
Die Klassifizierung ist das strukturelle Kernstück der Paralympischen Spiele. Ihr Zweck ist nicht die Einteilung nach medizinischer Diagnose, sondern nach der Auswirkung einer Beeinträchtigung auf die konkrete sportliche Aufgabe. Zwei Personen mit unterschiedlichen Diagnosen können in derselben Klasse starten, wenn die Auswirkung auf die Bewegung vergleichbar ist — und dieselbe Person kann in zwei Sportarten in unterschiedlichen Klassen starten.
Das Verfahren läuft in zwei Schritten. Zuerst wird geprüft, ob eine der anerkannten Beeinträchtigungsarten vorliegt; anerkannt sind unter anderem eingeschränkte Muskelkraft, eingeschränkte Beweglichkeit, Gliedmaßenverlust, Unterschiede in der Beinlänge, Kleinwuchs, Hypertonie, Ataxie, Athetose, Sehbeeinträchtigung und intellektuelle Beeinträchtigung. Im zweiten Schritt bestimmen sportartspezifische Kriterien die Klasse.
Die Klassenbezeichnungen sind deshalb pro Sportart aufgebaut und nicht untereinander vergleichbar. Üblich sind Buchstaben für die Disziplin und Ziffern für den Grad der Auswirkung — im Schwimmen etwa S für Freistil, Rücken und Schmetterling, SB für Brust, SM für Lagen, jeweils mit einer Zahl, bei der niedrigere Werte eine größere Auswirkung bezeichnen.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Erste Sommerspiele | 1960, Rom |
| Erste Winterspiele | 1976 |
| Gleicher Ort wie Olympia seit | 1988 (Sommer), 1992 (Winter) |
| Dachverband | Internationales Paralympisches Komitee, 1989 |
| Sportarten Sommer | über 20 |
| Sportarten Winter | 6 |
| Grundlage der Einteilung | Auswirkung auf die Sportart, nicht Diagnose |
Das Programm
Das Sommerprogramm umfasst über zwanzig Sportarten. Ein Teil entspricht den olympischen Sportarten mit angepasstem Regelwerk — Leichtathletik, Schwimmen, Radsport, Rudern, Tischtennis, Judo, Bogenschießen, Gewichtheben, Reiten und weitere. Ein anderer Teil existiert ausschließlich im paralympischen Programm.
Zu diesen eigenständigen Sportarten gehören Goalball, bei dem drei Personen pro Mannschaft mit Augenbinden auf einen Ball mit Glöckchen im Inneren hören; Boccia, das über Präzision und Taktik entschieden wird und in Klassen mit sehr hoher Auswirkung gespielt wird; sowie Rollstuhlrugby, Rollstuhlbasketball und Sitzvolleyball, bei dem am Boden gespielt wird und ständiger Rumpfkontakt mit dem Boden vorgeschrieben ist.
Das Winterprogramm ist mit sechs Sportarten kleiner: alpiner Skisport, Skilanglauf, Biathlon, Snowboard, Para-Eishockey und Rollstuhlcurling. Wie bei den Olympischen Winterspielen ist die Zahl der Sportarten durch die benötigten Anlagen begrenzt.
Angepasste Regeln
Regelanpassungen betreffen Ausrüstung, Kommunikation und Ablauf. Im Schwimmen können Starts aus dem Wasser erfolgen; sehbeeinträchtigte Aktive werden vor der Wende durch einen Tapper am Beckenrand mit einer Stange berührt. In der Leichtathletik führen Guides sehbeeinträchtigte Läuferinnen und Läufer, verbunden über eine Schlaufe, und werden in Staffeln und Wertungen mitgeführt.
Im Sitzvolleyball ist das Netz niedriger und das Feld kleiner, weil die Reichweite im Sitzen anders ist. Im Rollstuhlbasketball gilt eine eigene Schrittregel, die sich auf Anschübe statt auf Schritte bezieht. Bei Mannschaftssportarten mit Klassifizierung wird zusätzlich mit einem Punktesystem gearbeitet: Jeder Klasse ist ein Punktwert zugeordnet, und die Summe der auf dem Feld stehenden Personen darf einen Höchstwert nicht überschreiten — so wird sichergestellt, dass eine Mannschaft nicht ausschließlich aus den Klassen mit der geringsten Auswirkung besteht.
Warum die Klassifizierung immer wieder Thema ist
Die Klassifizierung entscheidet über Startberechtigung und Konkurrenz und ist damit sportlich so bedeutsam wie ein Regelwerk. Sie beruht auf Beobachtung und Messung durch Klassifizierungsteams und wird überprüft, wenn sich der Zustand ändert oder Regeln angepasst werden. Eine Umklassifizierung kann bedeuten, dass eine Person in einer anderen Klasse und damit gegen ein anderes Feld antritt.
Daraus folgt eine strukturelle Empfindlichkeit, die im Sport regelmäßig diskutiert wird: Je feiner die Klassen, desto gerechter der direkte Vergleich, aber desto kleiner die Felder und desto mehr Medaillenentscheidungen. Je grober die Klassen, desto größer die Felder, aber desto unterschiedlicher die Voraussetzungen innerhalb einer Klasse. Jede Programmentscheidung ist ein Punkt auf dieser Skala.
Häufige Fragen zu den Paralympischen Spielen
Wann fanden die ersten Paralympischen Spiele statt?
1960 in Rom. Sie gingen aus Sportveranstaltungen für Kriegsverletzte hervor, die zunächst als Rehabilitationsmaßnahme begonnen hatten. Winterspiele kamen 1976 hinzu.
Finden sie am gleichen Ort wie die Olympischen Spiele statt?
Ja, seit 1988 im Sommer und seit 1992 im Winter, jeweils unmittelbar danach und in denselben Wettkampfstätten. Eine Bewerbung um die Olympischen Spiele ist automatisch auch eine Bewerbung um die Paralympischen.
Was bedeutet Klassifizierung?
Die Einteilung nach der Auswirkung einer Beeinträchtigung auf die konkrete sportliche Aufgabe — nicht nach medizinischer Diagnose. Deshalb kann dieselbe Person in zwei Sportarten in unterschiedlichen Klassen starten.
Welche Sportarten gibt es nur bei den Paralympics?
Unter anderem Goalball, Boccia, Rollstuhlrugby, Rollstuhlbasketball und Sitzvolleyball. Sie haben kein Gegenstück im olympischen Programm.
Was ist ein Punktesystem im Mannschaftssport?
Jeder Klasse ist ein Punktwert zugeordnet, und die Summe der gleichzeitig auf dem Feld stehenden Personen darf einen Höchstwert nicht überschreiten. So kann eine Mannschaft nicht ausschließlich aus Klassen mit der geringsten Auswirkung bestehen.