Geräteturnen wird an genormten Geräten ausgeführt und nach Schwierigkeit und Ausführung bewertet. Der Männermehrkampf umfasst sechs Geräte, der Frauenmehrkampf vier. Dieses Kapitel geht die Geräte einzeln durch, erklärt die Wertung und ordnet die Wettkampfformate ein.
Die Geräte im Männermehrkampf
Boden. Geturnt wird auf einer gefederten Fläche von 12 × 12 Metern. Eine Übung besteht aus akrobatischen Reihen, Sprüngen und Haltelementen und muss alle vier Ecken der Fläche nutzen. Wer die Begrenzungslinie übertritt, bekommt Abzug.
Pauschenpferd. Der Körper des Geräts liegt 1,15 Meter über der Matte und trägt zwei bewegliche Griffe, die Pauschen. Geturnt wird ausschließlich im Stütz, mit kreisenden Beinbewegungen ohne Halt. Das Pauschenpferd gilt als das technisch anspruchsvollste Gerät, weil jede Unterbrechung des Rhythmus sofort sichtbar wird.
Ringe. Zwei Ringe mit 18 Zentimetern Innendurchmesser hängen an Riemen 2,80 Meter über der Matte. Verlangt sind Schwungteile und Kraftelemente wie das Kreuzhängen, bei dem die Arme waagerecht ausgestreckt gehalten werden. Die Ringe dürfen dabei möglichst nicht pendeln.
Sprung. Über eine Anlaufbahn von bis zu 25 Metern geht es über ein Sprungbrett auf den Sprungtisch, der bei den Männern auf 1,35 Metern steht. Bewertet werden Absprung, Flugphase, Drehungen und die Landung — ein Wettbewerb, der in unter zehn Sekunden entschieden ist.
Barren. Zwei Holme von 3,50 Metern Länge liegen 2,00 Meter hoch, ihr Abstand ist einstellbar. Geturnt wird im Stütz und im Hang, mit Schwüngen über und zwischen den Holmen.
Reck. Eine Stange von 2,40 Metern Länge und 2,8 Zentimetern Durchmesser liegt 2,60 Meter über der Matte. Das Reck erlaubt die größten Flugphasen im gesamten Turnen: Der Körper löst sich vollständig von der Stange und wird wieder aufgefangen.
Die Geräte im Frauenmehrkampf
Sprung folgt demselben Ablauf wie bei den Männern, der Tisch steht auf 1,25 Metern. Stufenbarren besteht aus zwei Holmen in versetzter Höhe, oben 2,50 Meter, unten 1,70 Meter; geturnt wird in durchgehendem Schwung mit Wechseln zwischen beiden Holmen. Der Schwebebalken ist 5,00 Meter lang, 10 Zentimeter breit und steht 1,25 Meter hoch — auf dieser Breite werden Sprünge, Drehungen und akrobatische Reihen ausgeführt. Der Boden entspricht der Fläche der Männer, wird jedoch mit Musik geturnt und verbindet Akrobatik mit choreografischen Elementen.
| Gerät | Höhe | Mehrkampf | Prägende Anforderung |
|---|---|---|---|
| Ringe | 2,80 m | Männer | Haltekraft |
| Reck | 2,60 m | Männer | Flugphasen |
| Stufenbarren | 2,50 / 1,70 m | Frauen | Schwungfluss |
| Barren | 2,00 m | Männer | Stütz und Hang |
| Sprungtisch | 1,35 / 1,25 m | beide | Explosivkraft |
| Schwebebalken | 1,25 m | Frauen | Gleichgewicht |
| Pauschenpferd | 1,15 m | Männer | Rhythmus im Stütz |
| Boden | — | beide | Akrobatik auf 12 × 12 m |
Wie gewertet wird
Die Wertung setzt sich aus zwei getrennten Noten zusammen. Die D-Note erfasst den Schwierigkeitsgehalt: Jedes Element ist einer Schwierigkeitsstufe zugeordnet, dazu kommen Verbindungswerte für Elemente, die direkt aneinandergereiht werden. Nach oben ist die D-Note offen — wer schwerere Elemente turnt, kann sie beliebig steigern.
Die E-Note bewertet die Ausführung und beginnt bei 10,0 Punkten. Von dort wird abgezogen: gebeugte Knie, gegrätschte Beine, unsaubere Landungen, zusätzliche Schritte, Stürze. Beide Noten werden addiert. Diese Trennung erklärt eine Beobachtung, die beim Zuschauen zunächst überrascht — eine technisch makellose, aber einfache Übung kann schlechter bewertet werden als eine schwierigere mit sichtbaren Fehlern.
Die Wettkampfformate
Im Mehrkampf turnt eine Person an allen Geräten ihres Programms; die Summe entscheidet. Im Gerätefinale qualifizieren sich die Besten eines einzelnen Geräts und turnen dort erneut gegeneinander — hier zählt nur die eine Übung. Im Mannschaftswettkampf turnen mehrere Aktive pro Gerät, und je nach Format fließen alle oder nur die besten Ergebnisse in die Teamwertung ein.
Diese Formate erklären unterschiedliche Karrierewege. Wer im Mehrkampf bestehen will, muss an allen Geräten mindestens solide sein; für ein Gerätefinale genügt Spitzenniveau an einem einzigen. Spezialisten, die ausschließlich an Ringen oder am Sprung antreten, sind deshalb ein fester Bestandteil des internationalen Feldes.
Sicherheit in der Halle
Zu jedem Gerät gehören Matten in vorgeschriebener Stärke, bei Sprung und Reck zusätzlich verlängerte Landebereiche. Im Training kommen Grubenanlagen mit Schaumstoffwürfeln, Längsmatten und Hilfestellung durch Übungsleiter hinzu. Die Raumhöhe ist der begrenzende Faktor jeder Turnhalle: Über den Ringen auf 2,80 Metern muss genügend Luft für den vollständigen Schwung bleiben, weshalb Turnhallen deutlich höher gebaut werden als reine Ballsporthallen.
Die Geräte im Einzelnen
Jedes Gerät hat eine eigene Seite: eine maßstabsgetreue Zeichnung mit den offiziellen Maßen, die Elementgruppen, die dort verlangt werden, und die Abzüge, die an diesem Gerät besonders ins Gewicht fallen.
Pauschenpferd115 cm hoch, Stütz ohne Unterbrechung
Ringe280 cm über der Matte, Kraft- und Schwungteile
Sprung25 Meter Anlauf, Sprungtisch, fünf Phasen
Barren350 cm Holme — mit Stufenbarren im Vergleich
Reck2,8 cm dünne Stange, die größten Flugphasen
SchwebebalkenZehn Zentimeter Breite auf fünf Metern Länge
Häufige Fragen zum Geräteturnen
Welche Geräte gehören zum Mehrkampf?
Bei den Männern sind es sechs: Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren und Reck. Bei den Frauen vier: Sprung, Stufenbarren, Schwebebalken und Boden.
Wie hoch ist der Schwebebalken?
Der Schwebebalken steht 1,25 Meter über der Matte, ist 5,00 Meter lang und nur 10 Zentimeter breit.
Was bedeuten D-Note und E-Note?
Die D-Note erfasst den Schwierigkeitsgehalt einer Übung und ist nach oben offen. Die E-Note bewertet die Ausführung, beginnt bei 10,0 Punkten und wird durch Fehler gemindert. Beide werden addiert.
Warum sind Turnhallen so hoch?
Weil über den Geräten Bewegungsraum bleiben muss. Die Ringe hängen 2,80 Meter über der Matte, und Schwungelemente führen deutlich darüber hinaus. Eine reine Ballsporthalle bietet dafür oft nicht genug lichte Höhe.
Kann man sich auf ein einzelnes Gerät spezialisieren?
Ja. Neben dem Mehrkampf gibt es Gerätefinals, in denen nur eine einzelne Übung zählt. Spezialisten für Ringe oder Sprung sind im internationalen Feld fest etabliert.