Die Ringe sind das einzige Gerät im Mehrkampf, das nicht fest steht. Alles andere ist verschraubt, verspannt oder verankert; die Ringe hängen frei und geben bei jeder Bewegung nach. Genau daraus ergibt sich die zentrale Anforderung dieses Geräts, und deshalb steht auf dieser Seite neben den Maßen vor allem eine Frage: warum Ruhe hier schwerer ist als Bewegung.
Die Maße des Geräts
Ein Ring hat einen Innendurchmesser von 18 Zentimetern; das Material selbst ist im Querschnitt 2,8 Zentimeter stark. Die Ringe hängen an Riemen, die an Seilen von etwa drei Metern Länge befestigt sind, und ihre Unterkante liegt 280 Zentimeter über der Matte. Der Abstand zwischen den beiden Ringen beträgt 50 Zentimeter.
Die Aufhängung ist an einem Gerüst oder an der Hallenkonstruktion befestigt. Zwischen Aufhängepunkt und Ring liegen damit gut drei Meter beweglicher Strecke — der Grund, warum ein kleiner Impuls am Ring oben zu einer großen Auslenkung führt. Das Gerät reagiert auf jede Unsauberkeit im Bewegungsansatz, und es reagiert verzögert.
Kraftteile und Schwungteile
Eine Ringübung soll Elemente aus beiden Grundfamilien enthalten. Schwungteile führen den Körper durch große Bögen um die Ringe: Felgbewegungen, Riesenfelgen, Überschläge, Flugelemente mit Loslassen und Wiedergreifen. Kraftteile halten eine Position gegen die Schwerkraft, mindestens zwei Sekunden lang und sichtbar ruhig.
Die bekanntesten Kraftteile sind das Kreuzhängen, bei dem die Arme waagerecht ausgestreckt gehalten werden und der Körper zwischen ihnen hängt, sowie der Stütz in der Waage und der Handstand. Ein Handstand an einem freihängenden Gerät ist eine andere Aufgabe als am Boden: Es gibt keinen festen Untergrund, der eine Gewichtsverlagerung auffängt.
Der Wechsel zwischen den beiden Familien ist der eigentliche Inhalt einer Ringübung. Aus einem Schwung heraus in eine Halteposition zu kommen, verlangt, die gesamte Schwungenergie im Moment des Ankommens abzufangen — und zwar so, dass die Ringe danach nicht pendeln.
Warum Ruhe die eigentliche Anforderung ist
Bei der Ausführungsbewertung gelten zwei Abzüge, die es nur an diesem Gerät gibt: Pendeln der Ringe und Überkreuzen der Seile. Beide betreffen nicht den Körper der Aktiven, sondern das Gerät. Damit ist eine Ringübung die einzige im Mehrkampf, bei der auch der Zustand des Geräts nach jedem Element bewertet wird.
Praktisch bedeutet das: Ein technisch korrektes Kraftelement, das mit sichtbar schwingenden Ringen gehalten wird, kostet trotzdem Punkte. Wer Elemente reihen will, muss deshalb nach jedem Schwungteil die Ringe beruhigen, bevor die nächste Halteposition beginnt. Diese Beruhigung ist nicht sichtbar als eigene Bewegung — sie passiert im Rumpf und in den Schultern, während der Körper äußerlich schon in der Zielposition ist.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Höhe über der Matte | 280 cm |
| Innendurchmesser | 18 cm |
| Materialstärke | 2,8 cm |
| Abstand der Ringe | 50 cm |
| Seillänge | ca. 300 cm |
| Haltezeit Kraftteile | mind. 2 s |
| Mehrkampf | Männer |
Was der Körper dabei leistet
Die Ringe belasten den Schultergürtel und die Ellenbogen anders als jedes andere Gerät. Beim Kreuzhängen zieht das Körpergewicht die Arme auseinander, gehalten wird ausschließlich über die Muskulatur, die den Oberarm zum Rumpf führt. Die Gelenkstellung dabei ist am Rand des Bewegungsbereichs, weshalb dieses Element im Aufbau über Jahre und mit Hilfsmitteln erarbeitet wird — Gummizüge, reduzierte Höhe, Teilhaltezeiten.
Aus dieser Belastung folgt die Trainingspraxis an diesem Gerät. Kraftteile werden selten in vollem Umfang wiederholt, sondern in Teilpositionen und mit Unterstützung geübt; Schwungteile dagegen brauchen viele Durchgänge, weil das Timing des Loslassens und Greifens nur über Wiederholung stabil wird. Beides gleichzeitig hochzuhalten ist der Grund, warum Ringspezialisten im internationalen Feld ein fester Bestandteil sind: Wer nur an diesem Gerät antritt, kann die Vorbereitung vollständig darauf ausrichten.
Höhe und Halle
Mit 280 Zentimetern hängen die Ringe höher als jedes andere Gerät des Mehrkampfs, und die Schwungelemente führen weit darüber hinaus. Der Körper erreicht im Handstand auf den Ringen gut fünf Meter über der Matte, dazu kommt die Aufhängung selbst. Genau daraus folgt eine bauliche Anforderung: Eine Turnhalle braucht deutlich mehr lichte Höhe als eine reine Ballsporthalle, und in vielen Mehrzweckhallen ist das der Grund, warum Ringe gar nicht installiert sind.
Unter dem Gerät liegen Matten in vorgeschriebener Stärke, im Training häufig ergänzt durch Längsmatten und weiche Zusatzelemente. Bei Flugelementen mit Loslassen ist außerdem Hilfestellung üblich, weil ein verpasster Griff aus voller Schwunghöhe erfolgt.
Häufige Fragen zu den Ringen
Wie hoch hängen die Ringe?
Die Unterkante liegt 280 Zentimeter über der Matte. Damit sind die Ringe das höchste Gerät im Männermehrkampf.
Wie groß ist ein Ring?
Der Innendurchmesser beträgt 18 Zentimeter, das Material ist im Querschnitt 2,8 Zentimeter stark. Der Abstand zwischen den beiden Ringen liegt bei 50 Zentimetern.
Was ist ein Kreuzhängen?
Ein Kraftteil, bei dem die Arme waagerecht ausgestreckt gehalten werden und der Körper zwischen ihnen hängt. Gehalten wird ausschließlich über Muskelkraft, mindestens zwei Sekunden und sichtbar ruhig.
Warum dürfen die Ringe nicht pendeln?
Pendeln der Ringe und Überkreuzen der Seile sind eigene Abzüge in der Ausführungsnote. Sie zeigen, dass die Schwungenergie beim Ankommen in einer Position nicht vollständig abgefangen wurde.
Warum brauchen Turnhallen so viel Höhe?
Weil über dem Gerät Bewegungsraum bleiben muss. Die Ringe hängen 280 Zentimeter hoch, und im Handstand steht der Körper gut fünf Meter über der Matte — mehr, als eine reine Ballsporthalle an lichter Höhe bietet.