Der Sprung ist das kürzeste Gerät des Mehrkampfs und das einzige, an dem beide Geschlechter dieselbe Bewegungsfolge zeigen: Anlauf, Absprung vom Brett, Stütz auf dem Tisch, Flug, Landung. Alles zusammen dauert weniger als drei Sekunden. Diese Seite geht die Maße der Anlage durch, erklärt die Phasen und zeigt, wo die Wertung ansetzt.
Die Maße der Sprunganlage
Die Anlaufbahn ist bis zu 25 Meter lang und einen Meter breit. Sie ist mit Markierungen versehen, an denen Aktive ihren Startpunkt festlegen; genutzt wird die volle Länge nur, wenn der Sprung sie erfordert. Am Ende der Bahn liegt das Sprungbrett, ein federndes Element mit definierter Rückgabe. Dahinter steht der Sprungtisch.
Der Sprungtisch ist bei den Männern auf 135 Zentimeter, bei den Frauen auf 125 Zentimeter eingestellt — gemessen von der Mattenoberfläche bis zur Oberkante der Auflagefläche. Diese Fläche ist gepolstert, nach vorn geneigt und deutlich breiter als das schmale Pferd, das früher als Sprunggerät diente. Hinter dem Tisch liegt die Landezone aus Matten in vorgeschriebener Stärke, bei Wettkämpfen mit zusätzlicher Weichbodenverlängerung.
Die fünf Phasen eines Sprungs
Anlauf. Er baut die Geschwindigkeit auf, die für alle folgenden Phasen zur Verfügung steht. Was hier nicht erzeugt wird, lässt sich später nicht nachholen — ein zu kurzer oder unruhiger Anlauf begrenzt den ganzen Sprung. Die letzten Schritte werden auf das Brett hin verkürzt, damit der Absprung auf den richtigen Punkt trifft.
Absprung. Beide Füße treffen das Brett gleichzeitig. Das Brett gibt Energie nach oben zurück, die Aktive verlässt es je nach Sprunggruppe vorwärts oder rückwärts und wandelt dabei einen Teil der Horizontalgeschwindigkeit in Höhe um.
Erste Flugphase. Die Strecke zwischen Brett und Tisch. Sie ist kurz, entscheidet aber über den Anstellwinkel, mit dem die Hände auf dem Tisch ankommen — und damit darüber, wie viel Energie der Tisch zurückgeben kann.
Stütz. Der Kontakt mit dem Tisch dauert nur einen Bruchteil einer Sekunde. Die Arme dürfen nicht nachgeben; die Bewegung wird über den Schultergürtel weitergeleitet, nicht abgebremst.
Zweite Flugphase und Landung. Hier finden Salti und Schrauben statt. Die Landung soll im Stand erfolgen, ohne Zusatzschritt und ohne Berühren der Matte mit den Händen. Sie ist der am stärksten gewichtete Einzelmoment des ganzen Sprungs.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Anlauflänge | bis 25,00 m |
| Anlaufbreite | 1,00 m |
| Tischhöhe Männer | 135 cm |
| Tischhöhe Frauen | 125 cm |
| Dauer des Sprungs | unter 3 s |
| Sprünge im Gerätefinale | 2, aus verschiedenen Gruppen |
| Mehrkampf | Frauen und Männer |
Sprunggruppen und Wertung
Sprünge sind in Gruppen eingeteilt, geordnet nach der Art des Aufsprungs und der Drehachse: Sprünge mit Überschlag vorwärts, Sprünge mit Handstandüberschlag, Sprünge mit einer Vierteldrehung in der ersten Flugphase, Sprünge mit Rückwärtsdrehung nach Rondat. Jeder Sprung hat einen festen Schwierigkeitswert, der vor der Ausführung angezeigt wird — anders als an allen anderen Geräten steht die D-Note hier vorab fest.
Die E-Note beginnt bei 10,0 Punkten. Abgezogen wird für gebeugte Arme im Stütz, unzureichende Streckung in der zweiten Flugphase, zu geringe Höhe oder Weite, unsaubere Drehungen und jeden Fehler in der Landung. Ein Zusatzschritt kostet, ein Aufsetzen der Hände kostet mehr, ein Sturz am meisten. Im Mehrkampf zählt ein Sprung; im Gerätefinale werden zwei Sprünge aus verschiedenen Gruppen gezeigt und deren Durchschnitt gewertet.
Warum der Sprungtisch das Pferd ersetzt hat
Bis zur Umstellung diente ein Pferd ohne Pauschen als Sprunggerät: schmal, mit gewölbter Oberseite und einer Stützfläche, die den Händen wenig Spielraum ließ. Traf eine Hand daneben, konnte der Sprung unkontrolliert kippen — bei Sprüngen mit Drehung in der ersten Flugphase, bei denen die Aktive das Gerät nur seitlich sieht, war das ein bekanntes Risiko.
Der Sprungtisch bietet eine größere, gepolsterte und nach vorn geneigte Fläche. Er verzeiht einen ungenauen Handaufsatz und gibt mehr Energie zurück, weil die Neigung den Kraftvektor besser in die zweite Flugphase leitet. Beides zusammen hat das Anforderungsniveau angehoben: Sprünge mit doppelten Drehungen und mehreren Schrauben wurden erst mit diesem Gerät regelmäßig turnbar.
Der schnellste Wettbewerb im Turnen
Vom ersten Schritt bis zum Stand vergehen wenige Sekunden, und die entscheidenden Phasen dauern Bruchteile davon. Es gibt keine Möglichkeit, einen Fehler im Verlauf zu korrigieren: Ein ungenauer Absprung wirkt sich zwangsläufig auf den Stütz aus, ein zu flacher Stütz zwangsläufig auf die Landung. Der Sprung ist damit das Gerät mit der geringsten Fehlertoleranz und gleichzeitig das mit der klarsten Vorbereitung — die Bewegung ist immer dieselbe, sie muss nur exakt sein.
Im Training wird deshalb in Teilen geübt: Anlauf mit Bretttreffer ohne Tisch, Stütz aus geringer Höhe, Landungen aus definierter Fallhöhe in die Grube. Erst am Ende wird die vollständige Bewegung zusammengesetzt.
Häufige Fragen zum Sprung
Wie hoch ist der Sprungtisch?
Bei den Männern 135 Zentimeter, bei den Frauen 125 Zentimeter, jeweils von der Mattenoberfläche bis zur Oberkante gemessen. Es ist das einzige Maß der Anlage, das sich zwischen den Geschlechtern unterscheidet.
Wie lang ist die Anlaufbahn?
Bis zu 25 Meter, bei einem Meter Breite. Die volle Länge wird nur genutzt, wenn der gewählte Sprung sie erfordert; der Startpunkt wird individuell festgelegt.
Warum wird kein Pferd mehr benutzt?
Der Sprungtisch bietet eine größere, gepolsterte und geneigte Stützfläche. Er verzeiht einen ungenauen Handaufsatz und gibt mehr Energie in die zweite Flugphase zurück — beides Gründe der Sicherheit und der Leistungsentwicklung.
Wie viele Sprünge werden gezeigt?
Im Mehrkampf einer. Im Gerätefinale zwei Sprünge aus verschiedenen Sprunggruppen; gewertet wird deren Durchschnitt.
Steht die Schwierigkeit vorher fest?
Ja. Jeder Sprung hat einen festen Schwierigkeitswert, der vor der Ausführung angezeigt wird. Das unterscheidet den Sprung von allen anderen Geräten, an denen die D-Note erst aus der geturnten Übung entsteht.