Die Olympischen Spiele der Neuzeit werden seit 1896 ausgetragen, die Winterspiele seit 1924. Sie sind der größte wiederkehrende Sportwettbewerb der Welt und zugleich eine Veranstaltung mit eigenem Regelwerk, eigener Organisation und einer Geschichte, die weit über den Sport hinausreicht. Dieses Kapitel ordnet Aufbau, Rhythmus und Begriffe ein.
Sommer- und Winterspiele
Beide Spiele finden im Abstand von vier Jahren statt, zeitlich um zwei Jahre gegeneinander versetzt. Diese Trennung besteht erst seit 1994: Zuvor wurden Sommer- und Winterspiele im selben Jahr ausgetragen. Die Verschiebung sorgt seither dafür, dass in jedem geraden Jahr Olympische Spiele stattfinden — was Vermarktung und Übertragungsrechte planbarer macht und den Winterspielen eine eigene Aufmerksamkeit sichert.
Die Sommerspiele umfassen rund 32 Sportarten und etwa 330 Medaillenentscheidungen, die Winterspiele sieben Sportarten und rund 110 Entscheidungen. Der Größenunterschied erklärt sich aus den klimatischen Voraussetzungen: Wintersport benötigt Schnee, Eis oder entsprechende Kunstanlagen und ist damit auf deutlich weniger Länder verteilt.
Wer die Spiele vergibt
Eigentümer der Spiele ist das Internationale Olympische Komitee mit Sitz in Lausanne, gegründet 1894 auf Betreiben von Pierre de Coubertin. Es vergibt die Ausrichtung, entscheidet über das Sportprogramm und wacht über die Olympische Charta, das Grundlagendokument der olympischen Bewegung.
Das Vergabeverfahren hat sich grundlegend geändert. Jahrzehntelang bewarben sich Städte in einem offenen Wettbewerb, über den die Vollversammlung in geheimer Abstimmung entschied — ein Verfahren, das teure Bewerbungskampagnen hervorbrachte und wiederholt in der Kritik stand. Seit 2019 führt stattdessen ein Dialogverfahren zu einem Vorschlag, über den abgestimmt wird. Der erklärte Zweck: geringere Bewerbungskosten und stärkere Nutzung vorhandener Sportstätten statt Neubauten.
| Merkmal | Sommerspiele | Winterspiele |
|---|---|---|
| Erstmals | 1896 | 1924 |
| Rhythmus | alle vier Jahre | alle vier Jahre |
| Sportarten | rund 32 | 7 |
| Entscheidungen | rund 330 | rund 110 |
| Dauer | etwa 16 Tage | etwa 16 Tage |
Die Paralympischen Spiele
Seit 1960 werden im Anschluss an die Sommerspiele die Paralympischen Spiele ausgetragen, seit 1976 auch im Winter. Sie folgen seit 1988 grundsätzlich am selben Austragungsort und nutzen dieselben Sportstätten, was den Aufwand für die Ausrichter erheblich senkt und den Wettbewerben ein vergleichbares Umfeld sichert.
Getragen werden sie vom Internationalen Paralympischen Komitee, einer eigenständigen Organisation. Der Wettkampfbetrieb arbeitet mit Startklassen, die Aktive mit vergleichbaren Beeinträchtigungen zusammenfassen — ein System, das laufend überprüft wird, weil davon die Chancengleichheit unmittelbar abhängt.
Begriffe rund um die Spiele
Eine Olympiade bezeichnet streng genommen nicht die Spiele selbst, sondern den vierjährigen Zeitraum zwischen zwei Austragungen — ein Wortgebrauch, der im Alltag fast durchgängig anders gehandhabt wird. Der olympische Eid wird seit 1920 stellvertretend abgelegt, das olympische Feuer seit 1928 entzündet und seit 1936 in einem Fackellauf von Olympia zum Austragungsort getragen.
Die Reihenfolge beim Einmarsch der Nationen folgt einer festen Regel: Griechenland eröffnet als Ursprungsland der antiken Spiele, das Gastgeberland beschließt, dazwischen wird nach dem Alphabet der Gastgebersprache geordnet.
Was eine Ausrichtung heute bedeutet
Die Kosten einer Ausrichtung haben sich über die Jahrzehnte vervielfacht, und mit ihnen die öffentliche Debatte darüber. Mehrere Bewerbungen der jüngeren Vergangenheit scheiterten an Bürgerentscheiden, weil der erwartete Nutzen den absehbaren Aufwand nicht rechtfertigte. Wiederkehrend genannt werden Sportstätten, für die es nach den Spielen keine dauerhafte Nutzung gibt.
Das IOC hat darauf mit einer Reihe von Vorgaben reagiert: Vorhandene Anlagen sollen genutzt, temporäre Bauten bevorzugt und Wettbewerbe notfalls über mehrere Städte oder sogar Länder verteilt werden. Ob diese Kurskorrektur die Kostenentwicklung tatsächlich bremst, wird sich erst über mehrere Austragungen hinweg beurteilen lassen.
Die antiken Spiele
Die Spiele der Neuzeit berufen sich auf ein Vorbild, das über tausend Jahre bestand. Im griechischen Olympia wurden ab dem 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung Wettkämpfe zu Ehren des Zeus ausgetragen, zunächst nur ein Stadionlauf, später ergänzt um Ringen, Faustkampf, Wagenrennen und den Fünfkampf. Ende des 4. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung wurden sie eingestellt.
Die Wiederbelebung im 19. Jahrhundert war weniger eine Fortsetzung als eine Neuschöpfung mit historischer Begründung. Zahlreiche Elemente, die heute als antikes Erbe gelten — der Fackellauf etwa —, entstanden erst im 20. Jahrhundert.
Das Kapitel im Einzelnen
Die Winterspiele mit ihrem eigenen Programm, die Entwicklung der Spiele seit 1896 und die Paralympischen Spiele mit ihrem Klassifizierungssystem.
Häufige Fragen zu den Olympischen Spielen
Wie oft finden die Olympischen Spiele statt?
Sommer- und Winterspiele werden jeweils alle vier Jahre ausgetragen, zeitlich um zwei Jahre gegeneinander versetzt. Dadurch finden in jedem geraden Jahr Olympische Spiele statt.
Seit wann gibt es Winterspiele?
Seit 1924. Bis 1992 fanden sie im selben Jahr wie die Sommerspiele statt; seit 1994 sind beide um zwei Jahre versetzt.
Was bedeutet der Begriff Olympiade?
Streng genommen bezeichnet er den vierjährigen Zeitraum zwischen zwei Spielen, nicht die Veranstaltung selbst. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er allerdings meist gleichbedeutend mit den Spielen verwendet.
Wurden die Spiele jemals abgesagt?
Ja, dreimal kriegsbedingt: 1916, 1940 und 1944. In diesen Fällen fielen sowohl die Sommer- als auch die vorgesehenen Winterspiele aus.
Wer entscheidet über den Austragungsort?
Das Internationale Olympische Komitee. Seit 2019 führt ein Dialogverfahren zu einem Vorschlag, über den abgestimmt wird — anders als früher, als sich Städte in einem offenen Wettbewerb bewarben.