Der Boden ist das einzige Gerät im Geräteturnen, das kein Gerät im engeren Sinn ist: eine quadratische Fläche, auf der die Übung ohne Griff, Holm oder Stange auskommt. Genau das macht ihn zum offensten und zugleich zum anstrengendsten Teil des Mehrkampfs. Diese Seite geht die Maße, den Aufbau der Fläche, die Wertung und die Anforderungen der Übung durch.
Die Maße der Turnfläche
Die Wettkampffläche misst 12 × 12 Meter. Ringsherum verläuft ein Sicherheitsbereich von einem Meter Breite, sodass die verlegte Gesamtfläche 14 × 14 Meter beträgt. Die äußere Begrenzung der Wettkampffläche ist als Linie markiert; sie ist die einzige Markierung auf dem Gerät und dient allein der Kontrolle, ob eine Aktive innerhalb der Fläche geblieben ist.
Die entscheidende Zahl steht nicht in der Maßtabelle, sondern folgt aus ihr: Die Diagonale einer Fläche von zwölf Metern Kantenlänge ist knapp 16,97 Meter lang. Weil lange Akrobatikreihen so viel Anlauf brauchen wie möglich, werden sie fast ausnahmslos über die Diagonale geturnt. Wer eine Reihe an der Ecke beginnt, hat rund fünf Meter mehr Weg als parallel zur Kante — der Grund, warum eine Bodenübung im Ablauf sternförmig zwischen den Ecken pendelt.
Wie ein Federboden aufgebaut ist
Ein Wettkampfboden besteht aus drei Schichten. Unten liegt ein Rost aus Holzplatten, die auf Federelementen oder elastischen Blöcken ruhen — daher der Name Federboden. Darüber kommt eine Schaumstoffmatte von rund drei Zentimetern Dicke, abgedeckt von einem verklebten Teppichbelag. Verlegt wird modulweise; ein üblicher Aufbau nutzt Platten von zwei mal drei Metern, die verschraubt oder verzahnt werden.
Der Zweck dieser Konstruktion ist doppelt. Sie gibt beim Absprung Energie zurück, sodass höhere und weitere Sprünge möglich sind als auf starrem Untergrund, und sie nimmt bei der Landung Kraft aus dem Stoß. Beides zusammen erklärt, warum Elemente wie Doppelsalti auf dieser Fläche turnbar sind und auf einer Gymnastikmatte nicht. Die Rückfederung ist allerdings gerichtet: Sie hilft nur, wenn der Absprung sauber senkrecht in den Boden eingeleitet wird.
Der Aufbau einer Bodenübung
Eine Übung soll die gesamte Fläche nutzen und alle vier Ecken erreichen. Sie besteht aus akrobatischen Reihen, Sprüngen, Drehungen und — bei den Frauen — choreografischen Verbindungen. Der Grundrhythmus ist bei beiden Geschlechtern derselbe: Reihen über die Diagonalen, kürzere Elemente auf den Verbindungswegen, ein Abgang, der die Übung beendet.
Bei den Frauen wird die Bodenübung mit Musik geturnt und dauert bis zu 90 Sekunden. Der Bewegungsfluss zur Musik ist Teil der Wertung; rein akrobatische Aneinanderreihung ohne gestalterische Anteile kostet Punkte. Bei den Männern wird ohne Musik geturnt, die Übung ist auf rund 70 Sekunden begrenzt und stärker auf Kraft- und Akrobatikelemente ausgelegt.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wettkampffläche | 12,00 × 12,00 m |
| Gesamtfläche mit Rand | 14,00 × 14,00 m |
| Sicherheitsbereich | 1,00 m umlaufend |
| Diagonale | 16,97 m |
| Übungsdauer Frauen | bis 90 s, mit Musik |
| Übungsdauer Männer | bis 70 s, ohne Musik |
| Mehrkampf | Frauen und Männer |
Was Punkte kostet
Wie an allen Geräten setzt sich die Note aus D-Note und E-Note zusammen. Die D-Note erfasst den Schwierigkeitsgehalt der gezeigten Elemente samt Verbindungswerten und ist nach oben offen. Die E-Note beginnt bei 10,0 Punkten und wird für Ausführungsfehler gemindert.
Am Boden gibt es zwei Abzüge, die kein anderes Gerät kennt. Der erste ist das Übertreten der Begrenzungslinie: Berührt ein Fuß bei der Landung den Bereich außerhalb der Fläche, wird abgezogen, unabhängig davon, wie gut das Element selbst war. Der zweite ist die Zeitüberschreitung. Beide Abzüge treffen fast immer Übungen, die inhaltlich stark sind — wer schwerere Reihen turnt, kommt der Linie näher und braucht länger.
Dazu kommen die üblichen Ausführungskriterien: gestreckte Knie und Fußspitzen, geschlossene Beine in Salti und Schrauben, kontrollierte Landungen ohne Zusatzschritt, saubere Körperhaltung in den Standelementen. Ein Sturz kostet einen festen Abzug und unterbricht zusätzlich den Fluss, was die E-Note ein zweites Mal belastet.
Sicherheit und Training
Im Training wird die Fläche selten allein genutzt. Übliche Ergänzungen sind eine Schnellfederbahn für die Erarbeitung von Reihen, weiche Zusatzmatten für Landungen und Grubenanlagen mit Schaumstoffwürfeln, in denen neue Elemente ohne Landerisiko geübt werden. Auch Hilfestellung durch Übungsleiter gehört zum normalen Ablauf, besonders beim Erlernen von Doppelsalti und Schraubbewegungen.
Die Bodenfläche ist außerdem das Gerät mit dem höchsten Platzbedarf in der Halle. Vierzehn mal vierzehn Meter belegen in einer üblichen Einfachhalle nahezu die gesamte nutzbare Breite, weshalb der Boden in Vereinen häufig fest verlegt bleibt und andere Geräte um ihn herum aufgebaut werden.
Häufige Fragen zum Bodenturnen
Wie groß ist eine Turnfläche?
Die Wettkampffläche misst 12 × 12 Meter. Mit dem umlaufenden Sicherheitsbereich von einem Meter ergibt sich eine verlegte Gesamtfläche von 14 × 14 Metern.
Warum wird über die Diagonale geturnt?
Weil sie der längste verfügbare Weg ist. Die Diagonale einer 12-Meter-Fläche misst 16,97 Meter und bietet damit rund fünf Meter mehr Anlauf als eine Bahn parallel zur Kante — entscheidend für lange Akrobatikreihen.
Was ist ein Federboden?
Ein dreischichtiger Aufbau aus Holzplatten auf Federelementen, einer Schaumstoffmatte und einem Teppichbelag. Er gibt beim Absprung Energie zurück und nimmt bei der Landung Kraft aus dem Stoß.
Wie lange dauert eine Bodenübung?
Bei den Frauen bis zu 90 Sekunden, mit Musik geturnt. Bei den Männern rund 70 Sekunden, ohne Musik. Eine Überschreitung der Zeit führt zu einem Abzug.
Was passiert beim Übertreten der Linie?
Berührt ein Fuß den Bereich außerhalb der markierten Wettkampffläche, gibt es einen Abzug in der E-Note — unabhängig von der Qualität des Elements selbst.