tsv-rietheim

Tennis: Platzmaße, Zählweise und die vier Majors

Grand Slam und Golden Slam: Rekorde im Tennis

Der Begriff Grand Slam bezeichnet zwei verschiedene Dinge, und aus dieser Doppelbedeutung entstehen die meisten Missverständnisse. Er benennt einerseits die vier größten Turniere des Tennissports, andererseits die Leistung, alle vier in einem einzigen Kalenderjahr…

Tennisplatz von hoch oben in tiefer Sonne, der lange Schatten eines einzelnen Spielers reicht quer über den Platz
Vier Turniere in einem Kalenderjahr — und mit Olympiagold fünf.

Der Begriff Grand Slam bezeichnet zwei verschiedene Dinge, und aus dieser Doppelbedeutung entstehen die meisten Missverständnisse. Er benennt einerseits die vier größten Turniere des Tennissports, andererseits die Leistung, alle vier in einem einzigen Kalenderjahr zu gewinnen. Diese Seite trennt die Begriffe und ordnet ein, wie oft die jeweiligen Leistungen tatsächlich erreicht wurden.

Vier Begriffe, klar getrennt

Grand-Slam-Turnier. Eines der vier größten Turniere: Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open. Der Begriff sagt nichts über eine Leistung, sondern nur über den Rang eines Turniers.

Kalender-Grand-Slam. Alle vier Turniere in einem Kalenderjahr gewinnen. Das ist die ursprüngliche und engste Bedeutung des Begriffs und die seltenste Leistung im Tennis.

Karriere-Grand-Slam. Alle vier Turniere mindestens einmal gewinnen, verteilt über die Laufbahn. Deutlich häufiger erreicht als der Kalender-Slam, weil die Turniere nicht in dieselbe Saison fallen müssen.

Golden Slam. Alle vier Turniere plus olympisches Gold. Als Kalender-Golden-Slam innerhalb eines Jahres, als Karriere-Golden-Slam über die Laufbahn verteilt. Möglich ist diese Kategorie erst seit 1988, weil Tennis erst dann wieder ins olympische Programm zurückkehrte.

Die Begriffe im Vergleich.
Begriff Bedingung Zeitraum
Grand-Slam-Turnier eines der vier großen Turniere
Kalender-Grand-Slam alle vier Titel ein Kalenderjahr
Karriere-Grand-Slam alle vier Titel gesamte Laufbahn
Golden Slam alle vier Titel plus Olympiagold ein Jahr oder Laufbahn
Non-Calendar-Slam vier Titel in Folge über den Jahreswechsel

Der Kalender-Grand-Slam

Bei den Männern gelang der erste Kalender-Grand-Slam 1938 Don Budge. Zweimal erreichte ihn Rod Laver, 1962 und 1969 — und die zweite Austragung hat besonderes Gewicht, weil sie in der Open Era lag, also nach der Öffnung der Turniere für Profis. Danach hat kein Mann den Kalender-Slam mehr geschafft.

Bei den Frauen gelang er erstmals 1953 Maureen Connolly, danach 1970 Margaret Court und 1988 Steffi Graf. Grafs Jahr ist zugleich der einzige Kalender-Golden-Slam der Tennisgeschichte im Einzel: Sie gewann alle vier Turniere und olympisches Gold in Seoul, dem Jahr der Rückkehr des Tennissports ins olympische Programm.

Diese kurze Liste beschreibt das Grundproblem des Kalender-Slams besser als jede Erklärung. Er verlangt Höchstleistung auf drei verschiedenen Belägen innerhalb von acht Monaten, ohne Verletzung, ohne Formtief und ohne ein einziges verlorenes Match in vier Turnieren mit je sieben Runden.

Warum der Belag die entscheidende Hürde ist

Die vier Turniere verteilen sich auf drei Beläge: zwei Hartplatzturniere, ein Sandplatzturnier und ein Rasenturnier. Jeder Belag verlangt eine andere Bewegungsform, eine andere Balltechnik und eine andere Punktanlage. Wer auf Sand stark ist, gewinnt lange Ballwechsel aus hohen Absprüngen; wer auf Rasen stark ist, beendet Punkte früh und flach.

Dazu kommt der Kalender. Zwischen dem Ende der Sandplatzsaison und dem Rasenturnier in Wimbledon liegen nur rund drei Wochen — für eine vollständige Umstellung der Spielweise ein extrem kurzes Fenster. Genau an dieser Stelle ist historisch die Mehrzahl der laufenden Slam-Versuche gescheitert.

Der Karriere-Slam umgeht dieses Problem vollständig, weil er die vier Titel über Jahre verteilen darf. Deshalb ist er zwar eine große Leistung, aber eine andere Kategorie: Er belegt Vielseitigkeit über eine Laufbahn, nicht die Beherrschung aller Beläge in einer Saison.

Der Non-Calendar-Slam

Häufiger als der Kalender-Slam kommt eine Serie von vier Titeln in Folge vor, die über den Jahreswechsel läuft — etwa von Wimbledon eines Jahres bis zu den French Open des folgenden. Sportlich ist das eine Serie von vier gewonnenen Turnieren hintereinander und damit unmittelbar vergleichbar.

In der Statistik gilt es dennoch nicht als Grand Slam, weil die Definition am Kalenderjahr hängt. Diese Konvention wird regelmäßig diskutiert, und beide Seiten haben ein Argument: Die Serie ist sportlich gleichwertig, aber das Kalenderjahr ist die einzige Grenze, die nicht willkürlich gewählt werden kann, ohne dass jede beliebige Vierer-Folge zählt.

Was in den Statistiken sonst gezählt wird

Neben den Slam-Kategorien werden im Tennis mehrere Reihen geführt, die unterschiedliche Dinge messen. Die Zahl der Grand-Slam-Einzeltitel ist die bekannteste Bestenliste. Die Zahl der Wochen auf Position eins der Weltrangliste misst dagegen Konstanz über die gesamte Saison, nicht Erfolg bei den vier großen Turnieren — beide Reihen haben deshalb nicht dieselben Namen an der Spitze.

Weitere geführte Reihen sind Titel bei den Turnieren der höchsten Kategorie unterhalb der Slams, Siege in Folge, Siege auf einem einzelnen Belag und Jahresabschlüsse auf Position eins. Für die Einordnung einer Laufbahn ist entscheidend, welche Reihe zitiert wird — eine Spielerin oder ein Spieler mit vielen Slam-Titeln und wenigen Wochen an der Spitze hat ein anderes Profil als umgekehrt.

Häufige Fragen zu Grand Slam und Rekorden

Was ist ein Grand Slam im Tennis?

Der Begriff hat zwei Bedeutungen: die vier größten Turniere — Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open — sowie die Leistung, alle vier in einem Kalenderjahr zu gewinnen.

Was ist der Unterschied zwischen Kalender- und Karriere-Slam?

Der Kalender-Slam verlangt alle vier Titel in einem Kalenderjahr. Der Karriere-Slam verlangt alle vier mindestens einmal, verteilt über die Laufbahn, und ist deutlich häufiger erreicht worden.

Was ist ein Golden Slam?

Alle vier Grand-Slam-Titel plus olympisches Gold. Möglich ist das erst seit 1988, weil Tennis erst dann wieder ins olympische Programm zurückkehrte. Der einzige Kalender-Golden-Slam im Einzel gelang Steffi Graf 1988.

Wer hat den Kalender-Grand-Slam geschafft?

Bei den Männern Don Budge 1938 sowie Rod Laver 1962 und 1969 — als einziger zweimal. Bei den Frauen Maureen Connolly 1953, Margaret Court 1970 und Steffi Graf 1988.

Warum zählen vier Titel in Folge nicht als Grand Slam?

Weil die Definition am Kalenderjahr hängt. Eine Serie über den Jahreswechsel ist sportlich vergleichbar, wird aber als Non-Calendar-Slam geführt — das Kalenderjahr ist die einzige nicht willkürlich wählbare Grenze.