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Tennis

Wimbledon: das älteste Tennisturnier der Welt

Das älteste Turnier der Welt, auf einem Belag, der sich im Lauf der zwei Wochen sichtbar verändert.

Kurz geschnittener Rasenplatz mit weißer Linie, im Hintergrund abgespielte Grasnarbe
Acht Millimeter Schnitthöhe — und im Turnierverlauf zunehmend abgespielt.

Wimbledon ist das älteste Tennisturnier der Welt und das einzige Grand-Slam-Turnier, das noch auf Rasen ausgetragen wird. Seit 1877 wird im All England Lawn Tennis and Croquet Club im Südwesten Londons gespielt — auf einem Belag, der sich im Lauf der zwei Turnierwochen sichtbar verändert und damit auch das Spiel verändert.

Das älteste Turnier

Die erste Austragung im Jahr 1877 umfasste ausschließlich ein Herreneinzel; 22 Teilnehmer traten an. Ein Damenwettbewerb kam 1884 hinzu. Der Klub selbst war ursprünglich für Krocket gegründet worden — der Name All England Lawn Tennis and Croquet Club erinnert bis heute daran. 1922 zog das Turnier von der Worple Road an die heutige Adresse an der Church Road, weil die alte Anlage dem Zuschauerandrang nicht mehr gewachsen war.

Diese Geschichte ist mehr als eine Fußnote: Sie erklärt, warum Wimbledon als einziges Major an Formen festhält, die anderswo längst aufgegeben wurden — von der Kleiderordnung bis zur Gestaltung der Anlage, die eher an eine Gartenanlage als an ein Sportstadion erinnert.

Rasen als Belag

Der Rasen besteht aus Deutschem Weidelgras und wird für das Turnier auf acht Millimeter Halmlänge geschnitten. Diese Höhe ist ein Kompromiss: Kürzer geschnitten würde die Grasnarbe die Belastung nicht überstehen, länger würde der Ball zu unberechenbar aufkommen. Gepflegt wird ganzjährig; die Plätze werden nach dem Turnier neu eingesät und über den Winter regeneriert.

Rasen ist der schnellste der drei Major-Beläge. Der Ball bleibt flach, verliert wenig Geschwindigkeit und springt unregelmäßiger ab als auf Hartplatz oder Sand. Das belohnt einen starken Aufschlag, frühe Ballübernahme und Spielanlagen, die den Punkt schnell beenden. Umgekehrt bestraft der Belag Spielweisen, die auf lange Ballwechsel und hohe Absprünge angewiesen sind.

Erste Turnierwoche dichte Grasnarbe, niedriger Absprung

Zweite Turnierwoche abgespielte Zonen an Grundlinie und Netz der Absprung wird höher und langsamer

Rasen verändert sich im Turnierverlauf: Grundlinie und Netzbereich sind gegen Ende der zweiten Woche abgespielt, wodurch der Platz langsamer wird.

Diese Veränderung ist der eigentliche Unterschied zu allen anderen Belägen. Hartplatz und Sand bleiben über zwei Wochen weitgehend konstant; Rasen nicht. In den ersten Tagen ist die Narbe dicht und der Absprung besonders niedrig. Gegen Ende der zweiten Woche sind Grundlinienbereich und Netzzone abgespielt, der Untergrund liegt teilweise frei, und der Ball kommt höher und langsamer. Ein Halbfinale in Wimbledon wird faktisch auf einem anderen Belag gespielt als eine Erstrundenpartie.

Traditionen mit praktischer Wirkung

Die Kleiderordnung schreibt überwiegend weiße Spielkleidung vor und gilt für alle Wettbewerbe. Sie ist die strengste im Profitennis und betrifft nicht nur Hemd und Hose, sondern auch Schuhsohlen und sichtbare Unterkleidung. Farbige Akzente sind nur in eng begrenztem Umfang zulässig.

Weitere Eigenheiten prägen den Ablauf: die Warteschlange vor der Anlage, in der Tageskarten in begrenzter Zahl vergeben werden; die Namensschilder ohne Nennung der Weltranglistenposition; und ein Zeitplan, der lange einen spielfreien mittleren Sonntag vorsah. Diese Ruhepause wurde inzwischen aufgegeben, sodass heute an allen vierzehn Tagen gespielt wird.

Wimbledon in Kennzahlen.
Merkmal Angabe
Erstaustragung 1877
Damenwettbewerb seit 1884
Austragungsort All England Club, London
Belag Rasen, 8 mm Schnitthöhe
Zeitraum Ende Juni bis Juli
Dach auf dem Centre Court seit 2009

Dächer und Zeitplan

Der Centre Court erhielt 2009 ein schließbares Dach, der zweitgrößte Platz folgte 2019. Für ein Turnier in einem Land mit unbeständigem Wetter war das eine einschneidende Veränderung: Zuvor konnten Regentage den gesamten Zeitplan verschieben und ganze Runden in die zweite Woche drängen. Heute läuft das Programm auf den überdachten Plätzen unabhängig vom Wetter weiter.

Unter geschlossenem Dach verändern sich allerdings die Bedingungen. Die Luftfeuchtigkeit steigt, der Ball wird etwas schwerer und langsamer, Wind fällt weg. Der schnellste Belag des Kalenders verliert dadurch einen Teil seiner Eigenheit — ein Effekt, den Aktive regelmäßig beschreiben.

Die kurze Rasensaison

Rasenturniere gibt es im Profikalender nur wenige Wochen im Jahr, und Wimbledon steht in deren Mitte. Zwischen dem Ende der Sandplatzsaison und dem Turnierbeginn liegen rund drei Wochen mit einer Handvoll Vorbereitungsturniere. Für Spielerinnen und Spieler, die auf Sand weit gekommen sind, bleiben davon oft nur wenige Tage. Diese Enge im Kalender ist der Grund, warum Rasenspezialisten hier historisch überdurchschnittlich erfolgreich waren: Wer den Belag beherrscht, konzentriert die gesamte Saisonplanung auf dieses kurze Fenster.

Häufige Fragen zu Wimbledon

Seit wann gibt es Wimbledon?

Das Turnier wurde 1877 erstmals ausgetragen und ist damit das älteste Tennisturnier der Welt. Zunächst gab es nur ein Herreneinzel; der Damenwettbewerb kam 1884 hinzu.

Wie hoch wird der Rasen geschnitten?

Für das Turnier wird der Rasen auf acht Millimeter geschnitten. Diese Höhe hält die Balance zwischen Belastbarkeit der Grasnarbe und einem berechenbaren Absprung des Balls.

Warum müssen die Spieler weiß tragen?

Die überwiegend weiße Kleiderordnung geht auf die Gründungszeit des Klubs zurück und wird bis heute konsequent angewandt. Sie gilt für alle Wettbewerbe und schließt Schuhsohlen sowie sichtbare Unterkleidung ein; farbige Akzente sind nur in engen Grenzen erlaubt.

Verändert sich der Rasen im Turnierverlauf?

Ja, deutlich. In der ersten Woche ist die Grasnarbe dicht und der Absprung niedrig. Bis zum Ende der zweiten Woche sind Grundlinie und Netzbereich abgespielt, der Ball springt dort höher und langsamer ab.

Haben alle Plätze ein Dach?

Nein. Überdacht sind der Centre Court seit 2009 und der zweitgrößte Platz seit 2019. Auf allen übrigen Plätzen entscheidet weiterhin das Wetter über den Spielbetrieb.